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3-Worte-Challenge - Die zweite Runde

 

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für eure Vorschläge. Ich habe mich entschieden für:

 

Tag, Moment, Gedanke

Dies war die Herausforderung von Janina für ein Gedicht

 

Verdacht, Propaganda, Hintergrund

Mit diesen Worten hat Michael mich zu einem Zeitenwelttext herausgefordert.

 

Viel Spaß beim Lesen und Hören.


Aufwachen

 

Orientierungslos drehe ich mich um,
mein rechter Arm hängt lose an mir,
etwas dröhnt in meine Gedanken,
ich bin verloren
im Höllenlärm.

Ameisen in meiner Hand,
halte meinen Arm,
damit ich ihn nicht verliere.

Suche ein Ordnungssystem
in meinen Gedanken
und finde hämmernde Maschinen:
eine Großbaustelle neben mir.

Mein Gehirn fragt bei mir nach:
Wo?
Was?
und antwortet mit: warum und wann.

Vorsichtig drehe ich mich nochmals um,
warte darauf, dass mein rechter Arm
wieder an meinen Körper anwächst,
und mein Ordnungssystem mir eine Richtung weist:

Für diesen einen Moment,
für diesen einen Tag,
für dieses eine Leben.


Propaganda

 

Während meines Aufenthaltes in der Zeitenwelt ist mir zu Ohren gekommen, dass in den Gartencentern merkwürdige Gestalten gesichtet wurden.


Die einen behaupteten, es wären Geister, die sich dort in der Schlafzeit herumtrieben. Die anderen meinten, es seien Blumen, die sich in Zeitenweltler verwandeln konnten. Für uns Irdische machte dies keinen Unterschied: Sich verwandelnde Blumen oder Geister, das war beides suspekt.


Die Zeitenweltler verstanden dies nicht, denn sie pflegten einen besonderen Umgang mit ihren Blumen.  Diese standen auf der Evolutionsebene direkt neben den Zeitenweltlern. Und diejenigen unter ihnen, die in der Lage waren, sich in Zeitenweltler zu verwandeln, die waren etwas ganz besonderes.


Wobei mir bis heute nicht klar geworden ist, ob diese Gabe sich auf die Schlafzeit beschränkte oder ob die Blumen sich mit ihrer Verwandlung aus Rücksichtnahme auf die irdischen Gäste selber beschränkt hatten. Denn rücksichtsvoll, das waren sie, die zeitenweltlerischen Blumen. Ok, es gab Ausnahmen, z.B. die Radikalen Rosen, die sich im Laufe der Zeit radikalisiert hatten. Und bei den Trällernden Tulpen bin ich mir nicht sicher. Die Tulpen, die ich gehört habe, hatten eine wunderschöne Stimme, ihr Gesang hat mich immer erfreut. Während meines Aufenthaltes in der Zeitenwelt habe allerdings auch Menschen getroffen, die das nicht so empfunden hatten. Und wenn ich rückblickend darüber nachdenke, schleicht sich bei mir der Verdacht ein, dass die Rücksichtnahme der zeitenweltlerischen Blumen auch Propaganda von den Blumengewerkschaften gewesen sein könnte.


Die Blumen hatten schon recht früh – meist bei Sonnenaufgang und noch geschlossenen Kelchen – Gewerkschaften gegründet. Diese agierten im Hintergrund, ihr Zweck hat sich mir bis heute nicht ergründet. Es gab Stimmen, die meinten, dass sie lediglich reine Unterstützungsgesellschaften zum Transport der Blumen waren. Denn ein Ortswechsel gestaltete sich für sie recht schwierig. Dabei waren sie von je her auf Unterstützung angewiesen. Da ihnen diese in der Vergangenheit nicht immer zu Teil wurde, wären sie gar nicht um eine gewerkschaftliche Organisation herum gekommen.


Es gab aus der Gründungszeit der Blumengewerkschaften einige spannende Geschichten. Doch es ist gut möglich, dass auch diese nur Propaganda für die irdischen Besucher waren. Vielleicht war an den anderen Erzählungen, denen über Geister in einem Blumencenter, viel mehr dran, als man mir bei den offiziellen Gesprächen in der Zeitenwelt glauben machen wollte. Wenn ich es rückwirkend betrachte, so bin ich während meiner Recherchen zu den Berichten über das Geistersehen, häufig auf taube Ohren und verschlossene Münder gestoßen. Und vielleicht ist die Brüllende Bromelie, die man mir zum Abschied in der Zeitenwelt geschenkt hatte, doch ein Paradebeispiel für das Maß an Rücksichtnahme unter den zeitenweltlerischen Blumen.


 

Wie haben dir die Texte gefallen?

Gib mir doch eine Rückmeldung dazu. Entweder mit ein paar Worten oder aber mit  Birnen - statt Sternen.


Liebe Grüße

Eure Betty